Das Zwischenwerk 6 Manching
Das Zwischenwerk 6 (ZW 6) der damaligen Königlich Bayerischen Landesfestung Ingolstadt stellt ein besonderes Beispiel für die baulichen Anpassungen der Festungsarchitektur am Ende des 19. Jahrhunderts dar. Es wurde in der Nähe der Bahnstation Manching verortet und sollte als Reaktion auf die rasanten Fortschritte der Geschütztechnik die Verteidigungsfähigkeit der Stadt sicherstellen.
Karte
Historische Aufnahmen
Baugeschichte und Architektur
Die Bauarbeiten an dem Werk begannen im Mai 1895 und dauerten bis Juni 1897 an. Trotz der zweijährigen Bauzeit blieb die Anlage unvollendet; eine vollständige Fertigstellung wäre erst im Falle einer aktiven Armierung der Festung erfolgt.
Im Rahmen der Bauphase wurden lediglich folgende Elemente realisiert:
- Die Kehlkaserne als einziges vollständig fertiggestelltes Bauwerk
- Teile des Walls
- Der umlaufende Wassergraben
Die Kehlkaserne verfügte über 12 nebeneinanderliegende Kasematten. In ihrer Bauweise ähnelte sie stark den Kasernen der Zwischenwerke 1, 2 und 9, verzichtete jedoch im Gegensatz zu diesen auf die Errichtung von Hohltraversen.
Strategische Bedeutung im Festungsgürtel
Das ZW 6 war Teil eines umfassenden Verstärkungsprogramms, das aus insgesamt 12 Forts und 7 Zwischenwerken bestand. Seine spezifische taktische Aufgabe bestand darin, gemeinsam mit dem auf der gegenüberliegenden Donauseite gelegenen Zwischenwerk 5 die weite Verteidigungslücke zwischen dem Fort VI Prinz Karl und dem Fort VIII in Manching zu schließen.
Nutzung und Zerstörung
Bereits mit Beginn des Ersten Weltkriegs galten die Anlagen des äußeren Gürtels als technisch überholt. Sie dienten in dieser Zeit vornehmlich als Gefangenenlager oder als Depots für Munition und militärische Ausrüstung, wobei für das ZW 6 keine gesicherte Belegung dokumentiert ist.
Das Ende des Zwischenwerks kam nach dem Zweiten Weltkrieg: Wie alle anderen Werke des äußeren Fortgürtels wurde die Anlage durch amerikanische Streitkräften gesprengt.
Heutiger Zustand
Vom einstigen Zwischenwerk sind heute im Gelände nur noch Fragmente erhalten. Auf aktuellen Bodenreliefs lassen sich die Überreste der Kehlkaserne sowie die Konturen der Erdanlagen im Gelände noch immer ausmachen.
Quellen:
- Archiv des Fördervereins Bayerische Landesfestung Ingolstadt e.V.
