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Zwischenwerk Friedrichshofen (Zwischenwerk Nr. 2)

Das Zwischenwerk Friedrichshofen, militärisch als Zwischenwerk Nr. 2 geführt, nimmt in der Historie der Königlich Bayerischen Landesfestung Ingolstadt eine spannende Doppelrolle ein: Es ist ein Zeugnis fortifikatorischer Anpassung an das Gelände und zugleich ein Ort mit einer bewegenden menschlichen Geschichte während des Ersten Weltkriegs.

Strategische Bedeutung und Bau (1888–1890)

Errichtet wurde das Werk in der kurzen Bauphase von November 1888 bis November 1890. Die militärische Führung erkannte die Notwendigkeit, den Festungsgürtel aufgrund der rasanten Weiterentwicklung der Geschütztechnik zu verstärken. Das Zwischenwerk 2 hatte eine klare Aufgabe: Es sollte die gefährliche Lücke zwischen dem Fort II (Hartmann) und dem Fort III in Gaimersheim schließen, um die als besonders bedroht geltende Westfront der Festung zu sichern.

Eine architektonische Ausnahme: Der nasse Graben

Während die großen Forts auf der linken Donauseite gezielt auf Anhöhen platziert wurden und daher mit „trockenen“ Gräben auskommen mussten, lag das geplante Zwischenwerk Friedrichshofen im Tiefland. Die Ingenieure machten aus der Not eine Tugend und legten das Werk sinnvollerweise mit einem Wassergraben an. Diese Bauweise unterscheidet es markant von den meisten anderen Werken der Nordfront.

Aufbau und Modernisierung

Ursprünglich war das Zwischenwerk für eine Kriegsbesatzung von 300 Mann und eine Bestückung mit vier leichten Geschützen ausgelegt. Die Unterbringung der Soldaten erfolgte in einer Kehlkaserne mit 12 Kasematten. Zusätzlich gab es auf dem vorderen Wall zwei Untertreträume mit jeweils drei weiteren Kasematten.

Im Zuge der stetigen Modernisierung des Festungsgürtels wurde auch das Zwischenwerk 2 technisch aufgerüstet:

  • Beobachtungskuppeln W.T. 90: In die beiden Untertreträume wurden splittersichere, drehbare Beobachtungskuppeln eingebaut. Diese bestanden aus 30 mm starkem Stahlguss und ruhten auf einem massiven Unterbau aus gehauenen Granit-Formsteinen, der wiederum in eine dicke Hülle aus Stampfbeton eingebettet war.

Wandel zum Infanteriestützpunkt

Die technische Entwicklung der Artillerie überholte jedoch bald die massiven Ziegelbauten. Schon ab 1891 galt der Schutz durch die Zwischenwerke allein als nicht mehr ausreichend. Im Vorfeld (Zwischengelände) wurden daher sogenannte Kampffeldhohlbauten errichtet – betonierte Infanterieräume (I-Räume) und Munitionsdepots (M-Räume). Das Zwischenwerk selbst verlor seine Artillerie und wurde faktisch zu einem „besseren Infanteriestützpunkt“ reduziert. Die neuen M-Räume sollten nun gut versteckte, mobile Geschützbatterien im Gelände versorgen.

Hinweis zur Umgebung: Der zugehörige Infanterieraum Nr. 6 befand sich in unmittelbarer Nähe auf der anderen Seite der heutigen Kriegsstraße in Richtung Gaimersheim. Auch von diesem Bauwerk ist heute nur noch der Frontwall erhalten; die Kasematten wurden 1946 gesprengt.

Das „Judenfort“ im Ersten Weltkrieg

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Anlage technisch bereits veraltet und wurde nicht für Kampfhandlungen, sondern als Gefangenenlager genutzt. In die Geschichte ging das Zwischenwerk Friedrichshofen als das sogenannte „Judenfort“ ein, da hier spezifisch Gefangene jüdischen Glaubens interniert wurden.

Die Haftbedingungen in den feuchten Kasematten waren prekär und für die Insassen sehr belastend. Ein bemerkenswertes Zeugnis der Menschlichkeit in dieser Zeit lieferten Offiziere aus anderen Lagern: Sie organisierten Ausstellungen mit eigenen Gemälden, um mit dem Erlös die Zustände für die Gefangenen im „Judenfort“ zu verbessern und die Not etwas zu lindern.

Das Ende der Anlage

Historischer Plan 1

Ein Luftbild aus dem Zweiten Weltkrieg belegt, dass die Anlage bis in die 1940er Jahre von Militärbehörden instand gehalten wurde; Wälle wurden gemäht und Wege gepflegt. Doch das Ende der militärischen Nutzung markierte – wie bei allen Werken des äußeren Gürtels – das Jahr 1945/1946. US-amerikanische Pioniere sprengten die Kasematten und militärischen Anlagen gründlich.

Heute erinnern vor allem der erhaltene Wassergraben und die Trümmerstrukturen im Wald an diesen einst wichtigen Baustein der Ingolstädter Festungsgeschichte.