Geschichte der Bayer. Landesfestung Ingolstadt


Brückenkopfgelände Luftaufnahme Foto: Gert Schmidbauer 2008

Selbst wenn der Begriff „Festung" mit gewissen Einschränkungen auch auf ältere Bauwerke angewendet werden könnte, so charakterisiert man damit heute einen systematisch geplanten Wehrbau, der gegen Feuerwaffen verteidigungsfähig und strategisch bedeutsam war. Schon vor der Errichtung der stehenden Heere wurde ein solcher Platz permanent von Soldaten bewacht, auch wenn deren Zahl im Frieden in der Rege! auf das kleinste vertretbare Maß reduziert wurde.

Ingolstadt erhielt ab dem 14. Jahrhundert als Hauptstadt eines der drei bayerischen Teilherzogtümer eine starke Befestigung, welche in den folgenden Jahrhunderten gegen die verbesserten Angriffswaffen immer weiter verstärkt wurde. So konnte die Festung dem Ansturm des Schwedenkönigs Gustav Adolf widerstehen, aber Napoleon, dem die bayerische Festung kampflos übergeben wurde, ließ sie im Jahre 1800 gründlich schleifen.

Das unter Napoleon im Jahre 1806 entstandene Königreich Bayern strebte zu seiner Sicherung den Bau einer neuen, starken Festung an; sie sollte den Übergang über die Donau sichern, ein zentraler Waffen- und Verpflegungsplatz sein und sie sollte der bayerischen Armee einen genügend gesicherten Lagerplatz zur Sammlung bei Beginn eines Krieges, vor allem aber einer erschöpften oder sogar geschlagenen bayerischen Armee dank ihrer Eigenschaft als Lagerfestung genügend Platz und Sicherheit zur Regeneration bieten. Dies gab den Anstoß zum Neuausbau Ingolstadts als Königlich Bayerische Landesfestung.

Die Verteidigungskraft der Festung sollte nach dem Willen des Königs und seiner Regierung auch für die Zukunft Bestand haben; daher wurde nach der Grundsteinlegung im Jahre 1828 für die zirkulare Befestigung (mit ihren runden Wehrbauten) rechts der Donau im Jahre 1834 nochmals ein Grundstein für die damals modernste, die polygonale Befestigung (mit langen geraden Fronten) links der Donau gelegt.

Die Hauptumfassung der Stadt war um 1850 im Bau vollendet, erhielt aber bereits um 1860 Verstärkungen. Diesen folgten 1866 die Feldwerke in Erdbauweise rings um die Stadt, welche bis 1872 links der Donau zu Forts in Ziegelbauweise umgebaut wurden. Um 1880 entstand dann der äußere Fortgürtel,zu dem auch zwei kleinere Forts mit je einem gepanzerten Artillerieturm gehörten. Letzterer Gürtel wurde um 1890 mittels Betondecken über den Hohlräumen, durch den Bau kleinerer Zwischenwerke und insbesondere durch die Einrichtung von Artillerie- und Infanteriestellungen, sowie Untertreträumen und Munitionsdepots zwischen den Forts den modernen Verteidigungsvorstellungen angepasst. Das Ende des Ausbaus der Königlich Bayerischen Landesfestung Ingolstadt gegen die stetige Wirkungssteigerung der Angriffswaffen kam, als noch vor 1900 klar wurde, dass in Zukunft nur noch vollständig gepanzerte Anlagen mit unterirdischen Versorgungsräumen eine gewisse Sicherheit bieten konnten. Damit war auch das Ende der klassischen Festungstädte mit ihrer durchaus anspruchsvollen Architektur gekommen.

Ein Gang durch die Reste der königlich bayerischen Landesfestung Ingolstadt ist ein Gang durch die Festungsgeschichte und durch die Kunst der militärischen Verteidigung. Er führt vom zirkular gebauten Reduit Tilly zum Kavalier Heideck und zur leider nur noch halben Fronte Rechberg der polygonalen Hauptumfassung. Dann können sich im Süden die beiden Hauptfeldwerke in Kothau und beim städtischen Gartenamt anschließen. Den Schlusspunkt wird das Fort VI/Prinz Karl im Osten bilden. Dieses zeitgeschichtliche Dokument hat als einziges nach dem 2. Weltkrieg die Zerstörungsorgien der Besatzungsmacht, aber auch der zivilen Regierungsgewalt überdauert.


Themen der Festungsgeschichte

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