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Die Hauptumfassung auf dem linken Donauufer

Der größere Teil der Hauptumfassung bestand aus den sogenannten fünf regelmäßigen Fronten, welche sich polygonal vom Donauufer im Osten der Stadt bis in den Nordwesten von Ingolstadt erstreckten, wo die Schutter in die Stadt eintrat. Im Südwesten - zwischen Schutter und Donau - lagen die zwei unregelmäßigen Fronten, bei deren Errichtung man sich aus Kostengründen in wesentlichen Teilen noch an die bestehenden Reste des im Jahre 1800 gesprengten Werke gehalten hatte.

Der Hauptwall einer regelmäßigen Fronte war gradlinig, jedoch zur Flankierung des Grabens vor der einstöckigen Kaponniere, welche vor der Mitte jeder Polygonseite liegt, schwach nach innen gebrochen. Die Polygonseite - die Entfernung von einem Polygonpunkt zum nächsten - entsprach der Tragweite der damaligen Feuerwaffen und betrug von der Kaponniere aus nach beiden Seiten 250 Meter, war also insgesamt 500 Meter lang. Der breite Hauptgraben vor jeder Polygonseite wurde durch die Kaponniere aus acht Geschützkasematten (welche zum Hof offen waren) auf jeder Flanke und einer ebenfalls für Geschütze Platz bietenden Erdplattform bestrichen, und von der letztgenannten Position aus sollte auch die Bekämpfung des Angreifers im Vorfeld ermöglicht werden. Die Kaponnieren, deren Facen zur Gewehrverteidigung eingerichtet waren, wurden als die Kernpunkte der ganzen Front angesehen, denn sie gewährten bei dem damaligen Entwicklungsstand der Artillerie gute Unterkunft und bildeten gleichzeitig Reduits. Sie waren in der Kehle geschlossen, deren Eingang aber durch krenelierte Flügelmauern mit der Poterne durch die Hauptumwallung verbunden war. Rechts und links von diesen Flügelmauern hinter der Kehle der Kaponniere lagen die Ausfalltore, welche vom Inneren des Platzes in den Graben führten. Die Facen der Kaponnieren wurden durch Flankenbatterien, welche unter dem Hauptwall lagen, bestrichen und an diese Geschützkasematten schlössen sich Infanteriegalerien in der acht Meter hohen Eskarpenmauer an, die nur an den durch Artilleriefeuer besonders gefährdeten und daher voll gemauerten Polygonpunkten fehlten und für eine nahezu lückenlose Frontalbestreichung des Grabens sorgten. Die Kaponnieren wurden gegen den Angreifer noch zusätzlich durch vorgelegte, kasemattierte Werke mit Infanteriegalerien gedeckt, welche - in der Form eines Ravelins - hier Kontergarden genannt wurden und ein ähnliches Profil wie der Hauptwall besaßen. Diese Kontergarde bestrich den ihr vorliegenden Graben selbst, und zwar aus den angehängten Schultern, welche je drei Geschützkasematten und darüber die gewöhnliche Erdplattform besaßen.

Die Poternen zu den Kaponnieren führten aber auch zu den Wegen über den Graben und diese über die Rampen zu den Waffenplätzen des gedeckten Weges. Diese Waffenplätze wurden durch kasemattierte Reduits beherrscht, deren Mauerbekleidung (Revetement) ringsum ebenfalls mit Infanteriegalerien versehen war. Die Erdplattform dieser Reduits war von der Kontergarde durch einen schmalen Abschnitt (Kupüre) getrennt, im Frieden waren beide Werke aber durch eine kleine Brücke verbunden. Kontergarde und die rechts und links daran anschließenden Reduits sorgten außerdem dafür, dass die Kaponniere und der Hauptwall gegen Sicht von außen gedeckt waren. Die gemauerte Kontereskarpe und ein mit Traversen versehener gedeckter Weg stellen die äußere Grabenbegrenzung dar. Das Glacis war so hoch aufgeschüttet, dass es das ganze dahinter liegende Mauerwerk der Hauptumwallung deckte, mit Ausnahme der Kordons der Kavaliere und der Stiegentürmchen und Geschützaufzüge.

Der Vorteil dieses Befestigungssystems ist deutlich: Wenn der Angreifer mit seinen Gräben das Glacis erreicht hatte, dann musste er sich zuerst der Reduits und dann der-abgetrennten - Kontergarde bemächtigen, bevor er mit einiger Aussicht auf Erfolg das Kernwerk der Grabenverteidigung, die Kaponniere, angreifen konnte. Die voneinander getrennten Werke begünstigten eine abschnittsweise Verteidigung ungemein.

Bestand der Schutz der Kaponnieren aus vorgelegten Werken, so wurden die Polygonpunkte durch die dahinter gelegenen Kavaliere verstärkt. Vier der Kavaliere (von Ost nach West: Heideck, Elbracht, Spreti und Hepp) wiesen die gleiche Form auf, lediglich die kleineren Kavaliere an den Anschlussstellen zur Donau bzw. zu den unregelmäßigen Fronten hatten - den besonderen Erfordernissen dieser Stellungen entsprechend - einen anderen Grundriß erhalten.
Die Kavaliere waren zweistöckigen Mauerbauten (Hochparterre und 1. Stock), auf denen noch eine Erdplattform aufgeschüttet war, welche den Hauptwall um drei Meter überragte und für Geschützaufstellung eingerichtet war. Solange die Vorwerke nicht bestanden, sollte der Gegner von diesen Plattformen aus das erste Geschützfeuer mit schwerstem Kaliber erhalten. In der letzten Periode einer Belagerung sollten diese Kavaliere dann starkes Geschützfeuer auf das Innere der (vielleicht schon vom Gegner besetzten) Polygonseiten, ebenso - mit den Flanken - auf die Wallgänge und sogar auf die rückwärts gelegenen Esplanaden richten.

In der Verlängerung der Seitenbauten dieser Kavaliere, unweit von den Polygonpunkten, waren Kupüren im Hauptwall eingeschnitten. Hinter diesen befanden sich gemauerte Hohltraversen, die als Sammelpunkt der Wallbesetzung dienten, gegen den Rikoschettschuß sicherten und von deren Gewehrscharten aus der Wallgang der Länge nach bestrichen werden konnte.

Durch die Mitte jeder Front führte unter dem Hauptwall die Hauptpoterne sowohl zur Kaponniere und den Infanteriegalerien in der Eskarpe, wie auch zu den bereits erwähnten zwei Ausfalltoren in den Hauptgraben. An beiden Seiten der Poterne befanden sich noch weitere Kasematten. Zwei weitere Poternen führten zu den Flankenbatterien, aus deren vier Geschützkasematten der Graben vor der Kaponniere bestrichen werden sollte.
Hauptkriegstore mit Brückenverschluss im Hauptwall und im Kavalier waren im Nordosten das neue Feldkirchner Tor (mit Kavalier Heideck), im Norden das neue Hardertor (mit Kavalier Spreti) und im Nordwesten das neue Kreuztor (mit Kavalier Hepp).

Auf die fünf regelmäßigen Fronten folgten im Südwesten - zwischen Schutter und Donau - zwei unregelmäßige Fronten. Diese bestanden aus zwei hintereinander liegenden Wällen, der erste - identisch mit der alten Münzbergerfronte - war mit Infanteriegalerien versehen, sowie durch zwei Kavaliere (Baur und Triva) und einer zwischen diesen liegenden Kaponniere verstärkt. Der vordere Wall bestand nur aus Erdwerken, verstärkt mit krenelierten Mauern und Grabenbatterie beim Anschluß an die regelmäßigen Fronten, sowie mit Flankenbatterien und zwei ungleichen Kaponnieren. Unmittelbar an der Donau, zwischen den beiden Wällen, befand sich der Schiffshafen, der zum Strom hin mit Wall und Mauern gesichert war. Beide Gräben wiesen Künetten auf, im Verteidigungsfall sollte die Schutter angestaut werden, um das Wasserhindernis noch zu verbreitern. Gesichert war diese Maßnahme aber nicht, denn ein Belagerer konnte den kleinen Wasserlauf der Schutter ohne weiteres sperren und ableiten, was auch zur Errichtung des besonders stark gesicherten Schutterhofes geführt hatte.

Dass die beiden Fronten weder im Radius noch in der Art den anderen fünf folgten, lag daran, dass zur Zeit des Baubeginnes das Vorterrain wegen der damals noch vollen sogenannten „Alten Donau" und ihren Nebengräben so nass, sumpfig und ungangbar war, dass alle Sachverständigen darin übereinstimmten, dass hierein Belagerungsangriff nicht zu erwarten sei. Man glaubte daher, die Kosten sparen zu können und baute deshalb auch auf den Fundamenten der alten Befestigung.

--> Werke der Hauptumfassung auf dem linken Donauufer

Schüler vom Christoph-Scheiner-Gymnasium Ingolstadt bearbeiteten unter der Leitung von Herrn Kundmüller das Thema "Grünes Kulturerbe von oben" , und zwar am Beispiel des Glacis in Ingolstadt. Dabei soll die Bedeutung und Attraktivität des Glacis für die Stadt und ihre Bürger und die Einmaligkeit des Festungsgürtels um Ingolstadt optisch und thematisch analysiert und dargestellt werden, um so auch die nachhaltige Bedeutung dieser Anlagen für Gegenwart und Zukunft der Region vor Augen zu führen.

Die Arbeiten sind im Internet veröffentlicht,
diese finden Sie [ ----> hier ]