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Die Verstärkung gegen Brisanzgranaten

Die Forts waren noch gar nicht alle übergeben, als die Artillerie mit der Einführung der Brisanzgrananten einen weiteren revolutionären Schritt nach der rund 30 Jahre zuvor erfolgten Einführung der gezogenen Geschütze machte. Versuche zeigten sehr schnell die stark gewachsene Zerstörungskraft der neuen Geschosse, denen die Decken der vorhandenen Werke bei einer Beschießung nicht standhielten.

Klar erkannte man auch, dass die Tage des bisherigen Artillerieforts gezählt waren, weil die gewachsene Zerstörungskraft die auf engem Raum im Fort konzentrierte Artillerie schnell zerschlagen musste. Die Forts sollten jetzt primär durch Infanterie verteidigt werden, wobei man auch der Infanteriestellung zwischen den Forts höhere Bedeutung beimaß.

Die schwere Artillerie sollte daher in Anschlußbatterien bei den Forts ihre Hauptstellung finden und die Intervalle zwischen den Forts durch Zwischenwerke und Infanterieuntertreträume verstärkt werden.

Der Wert der Panzerung war zwar erkannt worden, aber diese war zu teuer. Dagegen sah man mit der Errichtung permanenter Munitionsräume im Frieden ein geeignetes Mittel, um die Abwehrkraft der Artillerie zu verstärken. Auf jeden Fall hatte die Verstärkung der Fortlinie Vorrang, dagegen verlor die Hauptumwallung der Stadt an Bedeutung, da an Mittel zu deren Verstärkung nicht mehr zu denken war.

Auch das Reich musste sich einschränken: So sollten nur noch 18 deutsche Festungen erhalten und verstärkt werden. Immerhin hatte Ingolstadt noch einen Sonderstatus, denn es sollte zusammen mit Mainz eine erhöhte Widerstandskraft gegen den abgekürzten förmlichen Angriff bekommen. Auch in den weiteren Verhandlungen wurde deutlich, dass das preußische Kriegsministerium Ingolstadt die gleiche Bedeutung wie Mainz zumaß. Bayerische Bemühungen um Reichsmittel setzten dann auch schon ab 1883 ein.
Ein weiterer Grund für eine schnelle Entscheidung in Deutschland war der Aufstieg des Generals Boulanger in Frankreich,

der Kriegsminister wurde und danach eine revanchistische und antideutsche Massen- bewegung führte. Die Gefahr eines Krieges war groß. Im März 1887 - Boulanger genoss als Kriegsminister gerade höchste Popularität- fiel eine Entscheidung zugunsten der bayerischen Forderungen betreffend Ingolstadt und im Nachtrag zum Reichshaushalt 1887/88 sind für die bayerischen Festungen Ingolstadt und Germersheim 12 Millionen Mark bewilligt worden, von denen aber der Löwenanteil an die Donau gehen sollte, während die Rheinfestung als minder wichtig betrachtet wurde.

Bei einer Kriegsbesatzung von 30.000 Mann und einem Bestand von 400 Geschützen wurde der Festung eine hohe Widerstandskraft beigemessen und man rechnete mit keinem Gegner, der für einen förmlichen Angriff stark genug sei. Bei den Forts sollte sich - nach dem Abzug der schweren Artillerie - die Besatzung von 1.000 Mann um die Hälfte verringern, weshalb nur ein geringer Teil der Kasematten und Poternen durch eine Betondecke und ein Sandpolster zu verstärken waren. Da das Steilfeuer der Artillerie auch immer gefährlicher wurde, verzichtete man auf eine Verstärkung der Kaponnieren und richtete den Hauptwall zur Infanterie-Verteidigung ein. Schutz gegen ein Kaliber von 21 Zentimetern der Angriffsartillerie wurde für ausreichend gehalten. Die Saillanttraverse sowie zwei weitere Walltraversen wurden zu Schutzhohlräumen um- gebaut. Hier sollten Kanonen leichteren Kalibers unter- gebracht werden, die keinen Feuerkampf gegen die Artillerie des Angreifers führen sollten, die man vielmehr zur Abwehr des entscheidenden geg- nerischen Sturmes aufsparen wollte.

Schließlich wurden Anschluß- batterien gebaut, welche sich an die Forts anlehnten. Dabei wurden auch bombensichere Hohlräume für die Geschützbedienungen und die Munition errichtet.