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Der Bau der permanenten Vorwerke

Die durch den Krieg von 1866 erzwungene Zerstörung des Deutschen Bundes stellte nach einem halben Jahrhundert wieder die alte Situation her, dass auch ein Angriff aus dem Osten einkalkuliert werden musste. Es erschien durchaus denkbar, dass Österreich „Rache für Sadowa (Königgrätz)" nehmen würde.

Die militärische Führung Bayerns war sich schnell einig, dass unter Berücksichtigung aller militäri- schen Eventualitäten Ingolstadt starke Forts brauchte und an Stelle der einfachen Feldwerke, die man 1866 auf den betreffenden Grundstücken gebaut hatte, drei starke permanente Vorwerke entstehen sollten. 1869 wurde damit begonnen.

Die strategische Bedeutung Ingolstadts wuchs durch die Eröffnung der Eisenbahnlinie München-Ingolstadt im Jahre 1867, zumal auch noch die Verbindung nach Norden hergestellt werden sollte. Die neue Eisenbahnbrücke musste natürlich die Verteidigung des Hauptwalles behindern, beson- ders am linken Ufer der Donau. Andererseits bedurfte diese Brücke eines besonderen Schutzes, und so wurde östlich davon im unmittelbaren Anschluss die sogenannte „Eisenbahnbatterie" geplant. Geldsorgen hatte man hier ausnahmsweise nicht, weil im Etat für den Eisenbahnbau auch Mittel für dadurch notwendige Änderungen an Ingolstädter Festungswerken eingeplant worden waren. Die Arbeiten wurden im Sommer 1869 aufgenommen, und bereits am 26. März 1870 konnte die Batterie übergeben werden.

Der drohende Krieg übte 1870 wieder Druck auf die verant- wortlichen Ingenieuroffiziere aus, vor allem sollten die im Umbau begriffenen Werke

schnell einen möglichst hohen Grad an Verteidigungsfähigkeit erreichen. Wieder war man mitten in der Erntezeit, sodass statt der erhofften 2000 nur etwas über 1000 zivile Arbeiter zu bekommen waren.

In aller Eile sind Verstärkungen am Vorwerksgürtel sowie die Erdummantelungen der Kriegs- pulvermagazine begonnen worden. Die Erfolge der deutschen Truppen in Frankreich ließen aber immer weniger einen französischen Vorstoß nach Süddeutschland befürchten, wodurch der Druck zur Herstellung der Verteidigungsfähigkeit deutlich nachließ.

Schon Anfang August trafen die ersten Kriegsgefangenen ein, die man auch zu Armierungsarbeiten heranzog. Die Franzosen sind zunächst sehr großzügig behandelt worden. Wenn man Klagen über „vielseitigen Wirtshaus- besuch" der Gefangenen liest, dann muß es zeitweilig ein „recht fideles" Gefangenen- lager gewesen sein. Eine Verschärfung erfolgte erst nach Fluchtversuchen und weil ein Teil der französischen Soldaten ein schlechtes Verhalten zeigte. Am Brückenkopf entstand ein großes Barackenlager für die unfreiwilligen Gäste, deren Zahl im Februar 1871 fast 9000betrug. Damit beher- bergte die Festung das größte Gefangenenlager in Bayern. Die Kriegsbesatzung zählte 7500 bayerische Soldaten.

Am 5. März 1871 wurde der Frieden mit einem Dankgot- tesdienst in der oberen Stadtpfarrkirche begangen, zwei Tage später ist der Kriegszustand für die Festung aufgehoben worden.