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Der Bau der Hauptumwallung

Mit dem Gesetz vom 1. Juli 1834 hatte der Landtag die unüberschreitbare Summe von 18 310 000 Gulden bewilligt. Die Landesfestung Ingolstadt war damit das teuerste Bauprojekt Bayerns in der Regierungszeit von König Ludwig I. Es wurde deutlich, dass selbst ein Mittelstaat wie Bayern beim Festungsbau schnell an seine finanziellen Grenzen stieß, wollte er nicht dem Bürger härtere Belastungen aufbürden.
Nur einmal war in rund zwei Jahrzehnten, in denen zeitweilig bis zu 7000 Menschen Arbeit fanden, eine wichtige Änderung des bestehenden Plans notwendig. Die schon vor dem Festungsbau begonnene Begradigung der Donau zeigte sehr schnell Wirkung und führte zu einer Entwässerung des Vorgeländes der sogenannten „unregelmäßigen Fronten" im Südwesten. Hatte man geglaubt, dass Altarme des Flusses und der teilweise sumpfige Boden einen Angriff in diesem Abschnitt unmöglich machten, so konnte man nun durch die Austrocknung des Bodens Aktivitäten eines Gegners gegen die hier gelegenen Fronten nicht mehr ausschließen. Die vorgenommene Verstärkung unterlag von Anfang an dem Gebot der Sparsamkeit und so sollten die unregelmäßigen Fronten zum Schwachpunkt der Festung werden.
Im Hinblick auf die beschränkten Mittel wurde bei den Bauten am linken Ufer der Donau weitgehend auf teure Steinmetzarbeiten verzichtet und in erster Linie Ziegel verwendet. Aus dem gleichen Grund gab es keine besondere architektonische Gestaltung für die hier errichteten Werke. Eine Ausnahme bildeten die neuen Tore: Das Neue Feldkirchner Tor (vor Kavalier Heideck), das Neue Hardertor (vor Kavalier Spreti) sowie das Neue Kreuztor (vor Kavalier Hepp) sind in Zusammenarbeit mit Leo von Klenze gestaltet worden und konnten 1847 feierlich geöffnet werden. Im selben Jahr war die Stadtumwallung bis auf die Kehle an der Donau geschlossen.
Für den weiteren Ausbau von Ingolstadt war es ein schwerer Schlag, dass Ludwig l. im Jahre 1848 auf den Thron verzichtete, denn der König hatte bereits ins Auge gefasst, mit dem sehr kritisch gewordenen Landtag um weitere Mittel zu kämpfen. Maximilian II., welcher keine besondere Beziehung zu militärischen Fragen und damit auch zum Festungsbau in Ingolstadt hatte, scheute eine solche Auseinandersetzung.
Am 5. April 1848 wurde Peter von Becker, der unter einer schweren Krankheit litt, von der Aufgabe des Festungsbaudirektors ehrenvoll entbunden. Er war aber weiterhin Chef des Ingenieurkorps, wurde als solcher nach München versetzt, wo die Dienststelle bis zum Ende der Königlich Bayerischen Armee bleiben sollte. Becker starb noch im gleichen Jahr, mit ihm verschied der letzte bayerische Festungsbaumeister von Bedeutung. An die Stelle von Einzelpersönlichkeiten sollten künftig anonyme Kommissionen treten.
Nach einer Interimslösung wurde 1849 Major Josef Schmauß zum Festungsbaudirektor ernannt. Dieser ehrgeizige Offizier bemühte sich in sehr verdienstvoller Weise, Kosten zu sparen, um noch möglichst viele Bauten vollenden zu können. Es war die besondere Tragik im Leben von Josef Schmauß, dass ihm diese Aufgabe zu einer Zeit übertragen wurde, als keine neuen Mittel für Ingolstadt zu erwarten waren.
Es war deutlich geworden, dass die Festung auf den Schutz durch die geplanten Forts Haslang, Max Emanuel und Wrede vorläufig verzichten musste. Sie hätten im Ernstfall einen schnellen Erfolg gegen die Kernfestung am linken Ufer der Donau verhindert. Ausgeführt waren lediglich die Kreuzblockhäuser Minucci und Habermann, welche aber nur Stützpunkte für Infanterie waren.
Dass es hier nicht weiterging, war auf nicht vorauszusehende Mehrausgaben in Höhe von rund 4 Millionen Gulden zurückzuführen. Diese waren nicht nur durch die Änderung bei den unregelmäßigen Fronten verursacht worden. Teilweise musste erheblich tiefer fundamentiert werden, als man ursprünglich plante, und so waren auch teure Spundwände notwendig geworden. Außerdem musste der Direktor in den rund 20 Jahren auch zwei Lohnerhöhungen akzeptieren. Eine Meldung vom 1. Juli 1849 besagte, dass die Festung verteidigungsfähig sei, und am 1. Oktober 1850 wurde das letzte Werk übergeben. Das Kriegsministerium zog dann aus der politischen Realität die Konsequenzen und löste die Festungsbaudirektion 1855 auf, weil mit einem umfangreichen weiteren Ausbau von Ingolstadt wegen der Haltung des Landtages nicht gerechnet werden konnte.
Damit kam der Ausbau von Ingolstadt zu einem vorläufigen Ende. Er war für die Geschichte des bayerischen Ingenieurkorps von hoher Bedeutung, weil die Bauleitung in den Händen von Offizieren lag und diese auch die wichtigsten Zulieferbetriebe, wie etwa die Ziegeleien, leiteten. Bis zum Ende der Königlich Bayerischen Armee sollte die Überwachung der Festungsbauten auch weiterhin Aufgabe von Ingenieuroffizieren bleiben. Dagegen setzte sich schon bald der heute noch gültige Gedanke durch, dass das Militär zivilen Betrieben keine Konkurrenz machen dürfte und damit oblag in Zukunft die Ausführung und die Zulieferung von Material bei Festungsbauten privaten Firmen.
In Ingolstadt wurde dieser Prozess eingeleitet, indem man die meisten Steinbrüche, die bereits verrotteten Schiffe und die Pferde des Fuhrwesens versteigerte; die Ziegeleien und die Mühlschiffe auf der Donau wurden verkauft. Werkzeuge und andere Requisiten sind an die Stadt Ingolstadt und an den Eisenbahnbau abgegeben worden.
Die drohende Einstellung der Arbeiten ließ - insbesondere nach den Erfahrungen von 1848 - sozialen Sprengstoff befürchten, wofür das Kriegsministerium durchaus Sensibilität unter Beweis stellte. Aus geschaffenen Rücklagen wurden daher kleine Unterstützungen an die nunmehr arbeitslos werdenden Beschäftigten ausbezahlt, so dass es zu keiner der befürchteten Unruhen kam. Es ist dies auch ein Beleg dafür, dass die Mehrheit der in Ingolstadt Beschäftigten hier nur eine Saisonarbeit sahen und nicht an eine dauerhafte Niederlassung in der Stadt dachten.